Naturschutz versus Funsport

Bikepark Brandnertal soll um zusätzliche Downhillstrecken mit einer Gesamtlänge von über 20 Kilometern erweitert werden

Der in den letzten Jahrzehnten alpenweit forcierte Ausbau des Wintertourismus durch Skigebietszusammenschlüsse und großräumige Erweiterungen verursachte und versursacht immer noch enorme Schäden an Natur und Landschaft. Als ob es nicht schon genug wäre, droht der alpinen Natur nun durch den Sommertourismus weiteres Ungemach. So führt der anhaltende Boom der Trendsportart Mountainbiking in vielen Tourismusgebieten zum Ausbau zusätzlicher Angebote. In verschiedenen Lift- bzw. Seilbahngebieten sind so in den vergangenen Jahren großzügig dimensionierte Bikeparks entstanden. Eine Größenmanie zu Lasten der Natur. Negative Folgen sind unter anderem die Zerschneidung von Waldgebieten, die Zerstückelung von Biotopen, Erosionsschäden und die Vertreibung störungsanfälliger Wildtiere.

Der im Jahr 2014 unterhalb des Loischkopfes auf Bürserberger Gebiet errichtete Bikepark Brandnertal soll nun um insgesamt acht zusätzliche Mountainbike-Strecken mit einer Gesamtlänge von 20,6 Kilometer und einer durchschnittlichen Trailbreite von 1,20 Meter erweitert werden. Bereits das Vorprojekt wurde vom damaligen Amtssachverständigen als langfristig wirksame Beeinträchtigung sämtlicher Ziele des Vorarlberger Gesetzes über Naturschutz und Landschaftsentwicklung (GNL) bezeichnet. Eine weitere Ausdehnung des Bikeparks zum Loischkopf Richtung Brand wurde mit dem Hinweis auf massive Beeinträchtigung der Naturschutzinteressen damals klar abgelehnt. Die neu projektierten Strecken liegen im Aufenthaltsgebiet von Auerhühnern und Birkhühnern und berühren Balz- und Bruthabitate. Zudem ist der Loischkopf im Biotopinventar der Gemeinde Bürserberg ausgewiesen. Nach dem GNL sind die Gemeinden dazu verpflichtet, ihr Verhalten an den Zielen des Naturschutzes auszurichten. Die Gemeinde Bürserberg kann diesbezüglich leider nicht als Vorbild herhalten. Die anhaltende zügellose Verbauung der Tschengla durch Ferienappartements, einst ein durch harte bergbäuerliche Arbeit sorgsam gepflegtes Landschaftsjuwel, spricht Bände.

Ein massiver Ausbau des Trail-Angebotes rund um den Loischkopf verträgt sich nicht mit den lobenswerten Bemühungen zur Errichtung des grenzüberschreitenden Naturparks Rätikon. In Naturparks soll eine dauerhafte umweltgerechte Landnutzung angestrebt und ein nachhaltiger Tourismus etabliert werden. Ein Bikepark, welcher Wildhabitate und Biotope beeinträchtigt und in den Sommermonaten ein hohes Verkehrsaufkommen mit sich bringt, ist mit einer nachhaltigen Tourismusentwicklung nicht vereinbar.