Österreich braucht dringend ein Pfandsystem

Man muss das Rad nicht neu erfinden.

In Anbetracht der immensen Mengen an Abfällen, vor allem von Einweggebinden bzw. Getränkeverpackungen, die immer noch in der Natur landen und diese belasten, ist es dringend an der Zeit, dass die Politik der fortschreitenden Vermüllung der Umwelt Einhalt gebietet. Die in anderen Ländern bereits erfolgte Einführung eines Pfandsystems ist ein längst überfälliger Schritt in die richtige Richtung. Hierfür spricht nicht nur eine Verbesserung der Ökobilanz. So entstehen den Kommunen und der Allgemeinheit durch die Beseitigung achtlos weggeworfener Abfälle erhebliche Kosten. Zudem werden viele Abfälle nicht erfasst und bleiben in der Natur zurück. Mikroplastik reichert sich in immer höheren Konzentrationen in Böden, Luft und Gewässern an. Dieser Plastikstaub landet am Ende im menschlichen Körper. Gutgemeinte Appelle für ein umweltbewusstes Verhalten greifen viel zu kurz und kommen nur bei einem Teil der Bevölkerung an. Ein großer Teil schert sich überhaupt nicht darum. Andere Länder sind hier schon weiter und führen vor allem eines vor Augen: ein generelles Pfandsystem ist allgemein wirksam und fördert die Bewusstseinsbildung in Bezug auf Konsum- und Wegwerfverhalten. Warum sollte bei uns nicht funktionieren, was sich in Deutschland, in skandinavischen Ländern und in vielen Distrikten der USA schon seit 20 Jahren bewährt hat und gängige Praxis ist?

Der Alpenschutzverband und seine Alpenschutzvereine führen schon seit über vier Jahrzehnten bundesländerübergreifend die Aktion „Saubere Alpen – Saubere Gewässer“ durch. Diese Umweltarbeit leistet einen wichtigen Beitrag gegen die schleichende Vermüllung der Natur- und Kulturlandschaften. Die jährlich vielen Tonnen entsorgten Mülls, die unter erheblichem Aufwand eingesammelt werden, sprechen eine deutliche Sprache. Dennoch ist diese Abfallmenge nur ein Bruchteil dessen, was in der Natur landet und kaum mehr erfasst werden kann.

Es muss endlich bei den Ursachen angesetzt werden, damit es nachträglich nicht mehr erforderlich sein wird, die Symptome zu bekämpfen. Um diesem Anliegen den nötigen Nachdruck zu verleihen,  ist ein breiter gesellschaftlicher Kräfteschluss notwendig. In der nächsten Legislaturperiode ist die Politik gefordert, den Kopf nicht mehr länger in den Sand zu stecken und die längst überfällige Einführung eines Pfandsystems für Getränkeverpackungen auf Schiene zu bringen. Unserer Umwelt und Gesundheit zuliebe!

 

Franz Ströhle
Obmann des Alpenschutzvereins für Vorarlberg